1 In GESCHWAFEL/ YOUTUBE

Zerreißprobe – Ein Audio Experiment ♫

Prolog

Die folgenden Erfahrungen und Schilderungen sind nur ein Ausschnitt, ein Bruchteil der Erlebnisse, von denen ich gerne erzählen möchte. Videos machen und Schreiben bietet so viele Möglichkeiten sich auszudrücken und gibt dir meistens sehr viel Positives zurück! Es eröffnet dir neue Welten und ermöglicht dir tolle Erfahrungen. Das positive Feedback deiner Zuschauer und Leser ist unschätzbar viel wert und zeigt dir, dass du auf dem richtigen Weg bist. Die folgenden Ausschnitte sind mehr als eine kritische Zusammenfassung der negativen Seiten, wenn man sein Hobby zum Beruf macht, zu sehen.


Sonntagabend 23:48
– Ich liege auf dem Sofa, sehe mit einem Auge irgendeine Dokumentation im Fernsehen, während das andere Auge sekündlich wegdöst. Als mir so im Halbschlaf plötzlich einfällt „Ach shit, du musst noch das Thumbnail für Morgen machen“, bin ich wieder wach. Nicht unbedingt hellwach, aber so wach, dass es meinen abendlichen Pre-Schlaf-Modus wieder aufhebt.

Ich sitze am Rechner, es ist mittlerweile 3:30… mir sind noch ein paar Dinge eingefallen, die ich „schnell“ erledigen könnte. „Damit ich am nächsten Tag nicht so viel Stress habe“, ist meine gern genommene Ausrede für diese nächtlichen Aktionen. Noch schnell die Thumbnails für die kommenden Tage vorbereiten, noch schnell die Email beantworten, noch schnell die Folge schneiden, noch schnell die Folge hochladen… die Liste meiner „Noch Schnells“ ist lang und flexibel erweiterbar.

„Damit ich am nächsten Tag nicht so viel Stress habe“

Montagmittag 11:00 – Den frühen Termin hab ich nicht geschafft und auf später verschoben, zu müde und kaputt bin ich noch. Im Bett liegend checke ich Mails, Instagram, Twitter, Snapchat, Facebook, Skype und YouTube. Schon so spät und noch nichts geposted, fühlt sich doof an.
Ich stehe auf, zerschlagen melke ich die Kaffeemaschine und schalte den Rechner ein. Ich poste ein Bild meiner Kaffeetasse auf Instagram – das muss reichen für den Moment.

Ich sitze über einem Logo für einen Abwasserverband, nicht stylisch, nicht spaßig, aber notwendig. Von irgendwas muss ich leben. Ich schaue kurz auf mein Handy, 20+ Benachrichtigungen bei Twitter, soundso liken alle ein Bild, 15 neue Mails… kann mich nicht konzentrieren, nicht auf die Arbeit. Ich habe das Gefühl, alle haben Zeit für Social Media. Ich will mitmachen, ich stresse mich dafür!

„Schon so spät und noch nichts geposted, fühlt sich doof an“

Montagnacht 4:00 – Ich liege seit 1:30 im Bett und wälze mich herum. Ich kann nicht schlafen, zu viele Gedanken wuseln durch meinen Kopf. Viele Ideen und Konzepte zeichnen sich vor meinem inneren Auge ab. Ich greife zu meinem Handy und lege eine Notiz dazu an… wie so häufig

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Dienstagmorgen 9:00
– Es klingelt an der Tür, Post ist da! Todmüde taumel ich aus dem Bett zur Tür „Hab hier ein Paket für den Nachbarn, können Sie vielleicht…“ Lege mich wieder ins Bett, fühle mich um eine halbe Stunde Schlaf betrogen und gleiche diese mit drei extra Stunden wieder aus.

Dienstag 12:00 – Ich stolpere aus dem Bett zur Kaffeemaschine. Diese kleine Oase in der Küche, die mir jeden Tag auf‘s Neue heißen, schwarzen Brühstoff serviert. Ich bin dankbar. Ich denke kurz über einen Instagram-Kaffee-Post nach.

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Für den Rest des Tages nehme ich mir vor Social Media links liegen zu lassen und den Tag meiner Arbeit zu widmen. Ist eh alles schon auf den letzten Drücker und ich brauch die Kohle so langsam. Ich könnte allerdings nebenher die neuen Videos rendern lassen, das würde Zeit sparen. Ich schneide drei Stunden und fange um 16:00 mit der Arbeit an…

Dienstagabend 22:00 – Ich sitze noch immer am Rechner, die letzten Änderungen für heute am aktuellen Entwurf. Dann noch schnell die kleine Änderung in der CSS hochladen für den anderen Kunden und nebenher die gerenderten Videos hochladen. Kann dann über Nacht laufen. Als ich um 2:00 im Bett liege, habe ich das Gefühl ewig nichts mehr für mich selbst getan zu haben.

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Mittwochnachmittag 15:45 – Ich hocke geschminkt und gestyled vor dem Rechner und warte auf meinen Aufnahmepartner, mit dem ich für 15:30 verabredet bin. Ich habe mir extra dafür die Zeit genommen, extra frei gemacht, mich geschminkt und mein „Set“ vorbereitet… jetzt sitze ich hier und warte. Nach 1 ½ Stunden Warterei möchte ich mit meinem geschminkten Gesicht gegen eine Wand rennen…

Donnerstagnachmittag 17:30 – Die Info „Ich streame heute Abend“ kommt kurzfristig und erzeugt Stress! Ich kann mir überlegen ob ich mich mit meinen Kopfschmerzen zusammenrolle und schlafe, oder mir Tabletten einwerfe und mitmache… Schminken, Stylen, Set aufbauen und durchziehen! Die Zuschauer erwarten Spaß, Freude und Eskalation. Liefere ich ihnen, ich will sie ja nicht enttäuschen. Nach 6 Stunden bin ich total fertig und zerstört. Allerdings muss ich den Stream-Mitschnitt noch schneiden, Hochladen, Thumbnails und lustige Titel basteln. Um 5:30 gehe ich ins Bett.

„Liefere ich ihnen, ich will sie ja nicht enttäuschen“

Freitagmittag – Fühle mich leer uns ausgebrannt, möchte gedanklich fliehen. Ich habe das Gefühl, keinen Rückzugsort mehr zu haben. Früher habe ich viel gezockt, wenn ich Zeit für mich brauchte. Heute fühle ich mich schlecht, wenn ich spiele ohne es aufzunehmen.

Freitagnachmittag – Denke darüber nach einiges zu ändern. Nur noch Dinge tun, die mir Spaß machen, zumindest in meiner „Freizeit“. Aber wo beginnt meine Freizeit und wo hört die Arbeit auf? Eine Grenze lässt sich unmöglich ziehen, ich bin ratlos.

Freitagabend – Leute treffen sich zum Aufnehmen, Leute treffen sich zum Feiern, Leute treffen sich zum Streamen. Ich bin müde, möchte allein sein. Keine Lust auf Entertainment, keine Lust auf Schminken, keine Lust auf Menschen. Ich spiele ein Point & Click Spiel und fühle mich dabei ein bisschen schlecht, weil ich es nicht aufnehme…

„Ich bin müde, möchte allein sein“

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Samstagmittag – Ich liege im Bett und stöbere in den diversen Social Media Kanälen. Ich bleibe auf Instagram hängen. Instagram ist mein Lieblings-Medium, es ist (meistens) leise, schön anzuschauen und geduldig. Besonders das Feedback und die Fanarts zaubern mir regelmäßig ein Lächeln auf die Lippen.

„Fanarts zaubern mir regelmäßig ein Lächeln auf die Lippen“

Ich stöbere noch eine Weile auf verschiedenen Bloggerseiten bei Instagram und denke dabei über meinen Blog nach. Der ist auch leise, schön und geduldig. Ich habe so viele Ideen für Posts, möchte so viel machen und umsetzen. Und wieder empfinde ich Druck, Druck nicht genug gemacht zu haben. Nicht alle Möglichkeiten genutzt zu haben. Weder das eine, noch das andere zu hundert Prozent gemacht zu haben. Zu viel Positives um es aufzugeben, ich fühle mich zerissen.

„…ich fühle mich zerissen“

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1 Comment

  • Reply
    Ben
    27. April 2016 at 09:53

    Ive!
    Du hast einen wundervollen Text gezaubert. Nachdem ich mich morgens nach dem aktuellen Geschehen informiert habe, bin ich auf deinen Tweet gestoßen. Ein paar Klicks weiter bin ich auf deine Website gekommen. Ach, da mache ich mir doch noch einen Kaffee und lese mir das durch. Ich konnte es sehr angenehm lesen, dein Schreibstil gefällt mir auch. Die Probleme mit deinem Job kann ich mir gut vorstellen, aber gibt es nicht mehr Positives? Auf jeden Fall sehr interessant. Freue mich auf mehr und werde deinen Blog verfolgen. Fühle die gestalkt 😀

    Beste Grüße
    Ben

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